„BEFEHL IST BEFEHL!“ - Klasse 9Ga beim Zeitzeugengespräch in Hamburg

Am 20. April 1945 fand in Hamburg eines der schrecklichsten NS-Verbrechen auf deutschem Boden statt: 20 jüdische Kinder im Alter von fünf bis zwölf Jahren wurden im Keller der Schule am Bullenhuser Damm von der SS und weiteren Angehörigen des KZ Neuengamme erhängt. Der grausame Kindermord wurde befohlen und durchgeführt, um die medizinischen Versuche, die man im KZ an ihnen vorgenommen hatte, zu vertuschen. 

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Joest Leopold, Der Keller

Der Bremer Journalist Günther Schwarberg brachte Ende der 1970er Jahre das unerträgliche und bereits verdrängte Grauen zurück in das Bewusstsein der Deutschen. Seit 1979 findet nun regelmäßig eine Erinnerungsveranstaltung statt, damit das schändliche Geschehen nicht vergessen wird! Eines der ermordeten Kinder war der siebenjährige Sergio de Simone aus Italien, dessen Cousine Tatiana Bucci Auschwitz überlebte und seit Jahren nach Hamburg kommt, um gegen das Vergessen zu kämpfen. In zahlreichen Gesprächen, Büchern und Filmen verarbeitet sie das Geschehen zusammen mit ihrer jüngeren Schwester Andra, die ebenfalls das Lager überlebte und mahnt vor einem Erstarken faschistischer Tendenzen! Zwar ist ihrem Cousin Sergio mittlerweile eine Hamburger Straße gewidmet worden (Sergio-de-Simone-Stieg), doch zum Gedenken und Erinnern gehört auch das Gespräch…vor allem mit jungen Menschen. Schon bald wird es keine direkten Zeitzeuginnen mehr geben, weshalb es umso wichtiger ist mit den verbliebenen zu kommunizieren. Aus diesem Grund war die Klasse 9Ga der PUS Hude am 22.04.26 nach Hamburg gefahren. Vor Ort fand die Aufführung eines neuen Animationsfilmes zu Sergio de Simone statt, der von Tatiana Bucci präsentiert wurde. Im Anschluss stand die Zeitzeugin den zahlreichen Schülerinnen und Schülern, die überwiegend aus Hamburg kamen, Rede und Antwort. Die Übersetzerin Ulrike Schimming vermittelte zwischen Frau Bucci und den Fragenden. 

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Ulrike Schimming und Tatiana Bucci

Seit 2018 fahren Lernende unserer Schule Jahr für Jahr nach Hamburg, um an den Gedenkveranstaltungen zu den Kindern vom Bullenhuser Damm teilzunehmen. Im Laufe der Jahre wurden an unserer Schule mehrere Bildwerke und Installationen zu diesem Thema erarbeitet und zum Teil sogar in Hamburg ausgestellt. 

Installation Bullenhuser Damm, Teilansicht

Das unmenschliche Verbrechen an kleinen Kindern führt in der Regel zu empathischen Reaktionen bei den Besuchenden und hilft hoffentlich beim Aufbau einer gesunden Ablehnung solcher Taten und den sie begleitenden politischen Umständen! Damit sind die Gedenkstättenfahrten ein wichtiger Baustein bei der Demokratiestärkung in unserer Gesellschaft im Großen und in unserer Schule im Kleinen. Nie wieder ist jetzt!

 

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Joest Leopold, Schule am Bullenhuser Damm

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Joest Leopold, Lagerstrukturen

 

 

Text und Fotos: Dr. Joest Leopold

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