Von der Schulbank hinein in das Arbeitsleben -NWZ 20.2.2017

Hude  166 Zehntklässler der Graf-Anton-Günther-Schule Oldenburg absolvierten jetzt ihr erstes Betriebspraktikum. So hieß es für die Schülerinnen und Schüler in den vergangenen zwei Wochen: Raus aus der Schule – rein in die Arbeitswelt.

Wieder ganz klein

Unter den Praktikanten war auch die 15-jährige Maira Tews aus Hude. Sie hat in den Huder Kindergarten Gänseblümchen hineingeschnuppert, wo sie nicht die einzige war. Dabei war auch Franka Behrmann, ebenfalls 15, von der Peter-Ustinov-Schule in Hude.

Ihre Aufgabe war es, nicht nur mit den Kleinen zu spielen. Auch die Vor- und Nachbereitung von Projekten, sowie „mal zum Lappen greifen und putzen“ gehöre zu den Aufgaben von Praktikanten, so die Betreuerin Eva Bubenik.

Maira und Franka machten ihr erstes Praktikum im Kindergarten, da sie nach eigenen Angaben Interesse an der Arbeit mit kleinen Kindern haben und sich den Beruf als Erzieherin für später gut vorstellen können. Maira mag besonders „die Offenheit der Kinder – sie kommen ohne zu zögern auf einen zu.“

Singen und Spielen

Ihr Arbeitstag begann häufig um 8 Uhr damit, in der Gruppe mit den Zwergen zu spielen. Frankas Arbeitstag startete um 7.30 Uhr mit Vorbereitungen, wie dem Basteln von Kronen. Um halb neun folgte der Sitzkreis, in dem gesungen und gemeinsam Spiele gespielt wurden. Um 9 Uhr gab es Frühstück, danach wurde wieder gespielt.

Die beiden Mädels hatten Glück, dass nicht alle Schulen gleichzeitig Praktikum machen. Der Kindergarten bietet nämlich nur für zwei Schüler gleichzeitig Praktika an. „Das wird sonst für die Kinder zu stressig, wenn immer wieder neue Menschen dazu kommen“, erzählt die Betreuerin Peggy Strudthoff. Es seien aber seit Gründung Ende der 70er-Jahre fast immer Praktikanten da. Dem Kindergarten sei es wichtig, Praktika anzubieten, denn sie seien eine „gute Möglichkeit, Nachwuchs anzuwerben“. Wenn man den Kindergarten nur als Kleinkind kennt, hat man ein falsches Bild von den Aufgaben, die man dort als Erzieher erledigt, finden die Pädagogen vor Ort. Viele junge Menschen schrecken vor der Ausbildung zurück, da die insgesamt vier Lehrjahre nicht bezahlt werden. Durch Praktika wolle man das Interesse so weit wecken, dass die fehlende Bezahlung unwichtig wird.

Politik hautnah

Den wohl weitesten Weg zum Praktikumsplatz hatte die 15-jährige Wardenburgerin Vanessa Reiß: Sie ergatterte einen Platz im Bundestag. Bereits vor einem Jahr – der genaue Zeitraum des Praktikums stand noch nicht fest – schickte sie per E-Mail ihre Bewerbung an den Bundestag. Im Herbst letzten Jahres bekam sie dann die Zusage. Daraufhin stellte sie den Antrag, ihr Praktikum außerhalb des Landkreises zu machen, der von der Schulleitung genehmigt wurde. Gemeinsam mit ihren Eltern wohnte sie zwei Wochen in einem Hotel.

Für Vanessa stand von Anfang an fest, dass sie ihr Praktikum in der Politik machen würde, da sie sich schon lange dafür interessiert. Weil sie mit dem Gedanken spielt, später Rechtsanwältin zu werden, sah sie in dem Praktikum eine „gute Möglichkeit, hinter das Gesetzgebungsverfahren zu gucken“.

Während ihres Praktikums hatte sie keine festen Aufgaben. Sie war eher Beobachterin. So wohnte sie diversen Ausschüssen bei (unter anderem dem NSA-Untersuchungsausschuss mit Kanzlerin Merkel als Zeugin).

Außerdem sprach sie in der Sitzungswoche mit zahlreichen Abgeordneten.

Vielfältige Aufgaben

Sie führte mit Astrid Grotelüschen (CDU), Susanne Mittag (SPD) und Peter Meiwald (Grüne) vorbereitete Interviews. Auch mit dem künftigen Bundespräsidenten, Frank-Walter Steinmeier, kam sie ins Gespräch. Zusammen mit den anderen Praktikanten vor Ort unterstütze sie ihren Betreuer bei dessen Aufgaben und sortierte so beispielsweise die Hausausweise für die Bundesversammlung. Langweilig wurde ihr während der zwei Wochen dank der Vielfältigkeit der Aufgaben und Erlebnisse nie.

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